Bilder eines Weges

Alle Teile des Organismus bilden einen Kreis.
Daher ist jeder Teil sowohl Anfang als auch Ende.
Hippokrates

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Das Labyrinth von Chartres.
Symbol für die verschlungenen Wege des Lebens.
Das Labyrinth ist kein Irrgarten!
Kein Weg ist vergeblich.

Allerdings ist der Lauf des Weges nicht immer mit dem Ziel in Verbindung zu bringen.
Wer dem Weg bewußt folgt erlebt:
das Ziel scheint in greifbarer Nähe
dann erst entfaltet sich der Weg in voller Länge
das Ziel scheint aus den Augen verloren,
da liegt es unvermittelt voraus.



Bild des Lebensweges

  • Geburt (Eingang ins Labyrinth)
  • Kindheitsjahre (vermeintlich direkter Weg zum Ziel)
  • Jugend (umkreisen des Zieles, häufig grosse Nähe zum Lebenssinn, aber auch zum Tod)
  • junge Erwachsenenzeit (Verlieren des Lebenssinns aus den Augen, vermeintliche Irrwege)
  • trotzdem keine Sackgassen (kein Lebensweg ist vergeblich)
  • Enttäuschung am Lebensende (nach 95% des Labyrinth-Weges vermeintlich wieder am Anfang)
  • Zielgerade (letzte Meter liegen auf der Mittelachse der Kathedrale, dann das Ziel)



Bild des Körpers

  • Blick von oben auf den Grundriss der Kathedrale:
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  • Apsisbereich: "Kopf"
  • Mittelfenster der zentralen Kapelle: "Fontanelle"
  • Kanzel / Ambo: "Kehlkopf"zone / Sprachorgan
  • Gefälle des Fussbodens von W nach E zwecks Durchspülen nach grossen Festtagen: "Körperreinigung"
  • Labyrinth: "Verdauung"sorgan / colon
  • rhythmische Wiederholung der Pfeilermuster: "Schrittrhythmus"
  • Wechsel zwischen sich hebendem Bögen und senkendem Schlussstein im Verhältnis 1 zu 4 : "Atem- und Herzfrequenz" ca. 1 Atemzug zu 4 Herzschlägen
  • Bauvorgang: vom Chor über Langhaus zu Türmen : "Geburtsvorgang", Kopf zuerst
  • Langhaus / Mittelschiff: Rumpf
  • Querhäuser: Arme
  • Türme: Füße



Zahlensymbolik

  • vielfache Verweise auf das "Leben in der Zeit":
  • 11 Kreise - "knapp vorbei" an der Vollkommenheit (Zahl 12),
    irdischer Lebensweg lässt Vollkommenheit ahnen,
    ist aber (noch) nicht vollkommen,
  • 28 Kehren - Anklänge an den Mondmonat, den weiblichen Zyklus,
  • 40fache Distanz zur Mitte - biblische Zahl der Vollkommenheit und der Läuterung,
  • im Ganzen das Bild des Kreuzes,
  • 365 schwarze Mosaiksteine (Tage im Jahr)
  • 273 weisse Mosaiksteine (Tage einer Schwangerschaft?)
  • mit 261,4 m ist der Labyrinthweg exakt gleich lang dem "Läuterungsweg" der Krypta
    beim Abgehen des Labyrinthweges zeigen sich (alle) 52 freistehenden Pfeiler des Langhauses (Wochen im Jahr) und 31 Bögen der Seitenschiffe (Tage im Monat).



Bild des Universums

  • Strahlenkranz
    112 Strahlen lassen das Labyrinth wie eine Sonne aussehen.
  • Am Osternachmittag feierten die 112 Domkapitulare Christi "universalen" Sieg. Sie tanzten dem gewundenen Weg folgend rhythmisch in das Labyrinth hinein (zwei Schritte vor, einer zurück).
  • Schießlich stellte sich jeder in eine Bucht zwischen zwei "Strahlen". Dann warf man sich rituell einen weißen Ball zu, der in jedem Jahr neu sein musste.
  • Zum Ende des Ritus schritt der Dekan über alle Labyrinthwege hinweg in die Mitte, fing den weißen Ball und hielt ihn empor. Die Sonne Christi als Sieg über das Universum und im übertragenen Sinne auch als dessen Mittelpunkt.
    Wohlgemerkt: 400 Jahre vor der Durchsetzung des heliozentrischen Weltbildes.

 

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Das Labyrinth. Symbol für die Wege des Lebens. Ein Labyrinth ist kein Irrgarten. Im Labyrinth ist kein Weg vergeblich. [Mehr]
Durch die Tage
Den Weg gehen
Oft vor Wänden stehen
Und nicht wissen

Manchmal das Ziel
Vor Augen
Zum Greifen nahe
Und dann
Weit zurückgeworfen
Wie
An den Anfang

Alles umsonst
Dann plötzlich
Ganz wie von selbst
Die Mitte


 
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